Beantwortet von Matthias Hinsche Stand
Der häufigste Fehler ist die Reihenfolge: erst kündigen, dann feststellen, dass die Domain auf die Agentur läuft. Danach wird jede Verhandlung schwierig.
Schritt 1: Bestandsaufnahme, bevor du etwas sagst
Prüfe für jeden Punkt, ob du selbst Administratorzugriff hast:
- Domain-Verwaltung beim Registrar
- Hosting und Datenbank
- CMS- oder Shop-Administration
- Google Search Console und Analytics
- Google Ads, Merchant Center, Tag Manager
- Meta Business Manager
- Code-Repository, falls individuell entwickelt wurde
Alles, wofür du Zugangsdaten der Agentur brauchst, ist ein offener Punkt.
Schritt 2: Übertragen lassen
Domain-Transfers brauchen einen Auth-Code und können mehrere Tage dauern. Bei Google-Diensten reicht es, dein eigenes Konto als Administrator hinzuzufügen. Verlange eine schriftliche Bestätigung, welche Zugänge übergeben wurden.
Schritt 3: Wissen sichern
Die Dokumentation: Welche Erweiterungen sind installiert, welche Anpassungen wurden vorgenommen, wo liegen die Zugangsdaten zu Drittdiensten. Ohne diese Übergabe zahlt der Nachfolger für Archäologie.
Schritt 4: Erst dann kündigen
Mit der vereinbarten Frist, schriftlich, und mit einem Termin für ein technisches Übergabegespräch.
Was Rankings tatsächlich gefährdet
Nicht der Wechsel selbst, sondern zwei Dinge: Wenn im Zuge des Wechsels die Seite umgezogen oder umgebaut wird, ohne dass alle alten URLs eine Weiterleitung bekommen. Und wenn der Zugriff auf die Search Console fehlt, sodass niemand merkt, dass Fehler auftreten.
Beim Werbekonto ist der Verlust dagegen real und nicht heilbar: Die Conversion-Historie ist nicht übertragbar. Details in Wem gehört mein Google-Ads-Konto?.
Der Zeitplan, der sich bewährt hat
Rechne mit vier bis sechs Wochen zwischen Entscheidung und tatsächlichem Wechsel. Zwei Wochen für Bestandsaufnahme und Übertragung der Zugänge, eine für das technische Übergabegespräch, danach die vertragliche Kündigungsfrist.
Wer diese Zeit nicht einplant, gerät in die Situation, den Vertrag beenden zu müssen, bevor alles übergeben ist. Dann verhandelst du aus der schwächeren Position.
Parallel lohnt es sich, den aktuellen Stand zu dokumentieren: Screenshots der wichtigsten Auswertungen, aktuelle Rankings, Traffic der letzten zwölf Monate. Das ist später die Vergleichsbasis, um zu beurteilen, ob der Wechsel etwas gebracht hat.
Wie eine Übernahme bei uns abläuft, steht in Wie läuft ein Agenturwechsel ab?.