Beantwortet von Matthias Hinsche Stand
Der Wechsel selbst ist selten das Problem. Zum Problem wird er durch die Reihenfolge: erst kündigen, dann feststellen, was alles beim alten Dienstleister liegt.
Die Reihenfolge, die funktioniert
1. Bestandsaufnahme. Welche Systeme laufen, wer hat worauf Zugriff, welche Verträge laufen über wen. Diese Liste erstellst du, bevor du mit irgendjemandem über einen Wechsel sprichst.
2. Zugänge auf dich holen. Domain, Hosting, alle Konten. Details dazu in Welche Zugänge sollte ich immer selbst besitzen?.
3. Überlappung einplanen. Der neue Dienstleister bekommt lesenden Zugriff und Zeit, sich einzuarbeiten, während der alte noch verantwortlich ist. Zwei bis vier Wochen reichen meist.
4. Übergabegespräch. Technisch, mit beiden Seiten am Tisch. Was läuft wo, welche Eigenheiten gibt es, welche offenen Punkte sind bekannt.
5. Erst dann kündigen. Mit der vertraglichen Frist.
Warum ein Stichtagswechsel scheitert
Weil es immer etwas gibt, das nicht dokumentiert war. Ein Cronjob, der auf einem Server läuft, von dem niemand wusste. Ein Zertifikat, das über das Konto des alten Dienstleisters verlängert wird. Eine Schnittstelle mit hinterlegten Zugangsdaten.
Solche Dinge fallen erst auf, wenn sie ausfallen. Mit Überlappung ist noch jemand da, der sie erklären kann.
Was du dir schriftlich geben lässt
Eine Liste der übergebenen Zugänge, eine Liste der laufenden Verträge mit Dritten und die Bestätigung, dass keine weiteren Systeme im Einsatz sind. Der letzte Punkt klingt formal und ist der wichtigste.
Der Umgang mit dem alten Dienstleister
Sachlich bleiben. Eine Trennung im Streit macht die Übergabe schlechter, und du bist auf Mitwirkung angewiesen. In den meisten Fällen ist der Wechsel ohnehin keine Kritik, sondern eine Frage veränderter Anforderungen.