Beantwortet von Matthias Hinsche Stand
Im Lebensmittelhandel ist ein Artikel nicht gleich ein Artikel. Dieselbe SKU liegt in mehreren Chargen mit unterschiedlichem Mindesthaltbarkeitsdatum im Lager. Wer das im Shop abbilden will, baut sich ein Problem. Wer es im ERP abbildet, hat einen Prozess.
Die Aufgabenteilung
Das ERP führt den Bestand je Charge, mit MHD, Lieferant und Wareneingangsdatum. Der Shop kennt davon nur eine Zahl: die verkaufsfähige Menge.
Verkaufsfähig heißt: alle Chargen, deren Restlaufzeit über deiner Mindestgrenze liegt. Chargen darunter werden aus dem Shopbestand ausgeblendet, auch wenn sie physisch da sind.
Welche Charge der Kunde bekommt, entscheidet sich erst beim Kommissionieren nach dem Prinzip First Expired First Out. Die älteste noch zulässige Charge geht zuerst raus.
Was du festlegen musst
Die Mindestrestlaufzeit. Ab wann ist eine Charge nicht mehr verkaufsfähig? Üblich sind zwei Drittel der Gesamtlaufzeit oder eine feste Zahl an Tagen, je nach Produktgruppe.
Den Umgang mit Restlaufzeit-Ware. Ausbuchen, im Outlet zum reduzierten Preis führen oder an den Großhandel geben. Ohne Regel bleibt sie liegen und wird abgeschrieben.
Die Kommunikation zum Kunden. Bei kurzer Restlaufzeit gehört ein Hinweis auf die Artikelseite. Verschweigen erzeugt Retouren und Bewertungen.
Die Rückverfolgbarkeit
Bei einem Rückruf musst du innerhalb kurzer Zeit sagen können, welche Charge an welchen Kunden ging. Das funktioniert nur, wenn die beim Versand zugeordnete Charge am Auftrag gespeichert wird.
Genau das ist der Grund, warum die Zuordnung erst im Warenausgang passiert und dort auch protokolliert wird. Die Grundlagen dazu stehen in Chargenrückverfolgbarkeit im ERP.
Was das an Aufwand bedeutet
Wenn dein ERP Chargenführung mitbringt, ist es Konfiguration plus die Anpassung des Bestandsabgleichs zum Shop. Wenn nicht, ist der Systemwechsel die ehrlichere Antwort als ein Aufsatz.
Umsetzung: ERP & Warenwirtschaft.