Beantwortet von Matthias Hinsche Stand
Die Faustregel lautet: ab rund 20 Bestellungen am Tag. Sie ist brauchbar als grobe Marke, trifft aber den Kern nicht.
Die Signale, die wirklich zählen
Du pflegst Daten doppelt. Artikel im Shop, Artikel im Buchhaltungsprogramm, Bestände in einer Tabelle. Jede Änderung an drei Stellen. Das kostet ab dem ersten Tag Zeit und erzeugt Fehler.
Du verkaufst überverkauft. Ein Artikel geht gleichzeitig über Shop und Marktplatz raus, obwohl er nur einmal da ist. Sobald das passiert, fehlt eine führende Bestandsquelle.
Der Monatsabschluss dauert Tage. Wenn Rechnungen aus dem Shop manuell in die Buchhaltung übertragen werden, ist der Aufwand am Monatsende ein verlässlicher Indikator.
Du kennst deine Marge nicht pro Artikel. Ohne Einkaufspreise im selben System wie die Verkäufe bleibt die Deckungsbeitragsrechnung Schätzung.
Trifft zwei davon zu, lohnt sich die Rechnung, unabhängig von der Bestellzahl.
Was der Einstieg realistisch bedeutet
Nicht sofort eine Volleinführung. Der übliche erste Schritt ist die Anbindung: Bestellungen fließen aus dem Shop ins ERP, Bestände und Preise zurück. Das startet ab 3.000 € und ist in zwei bis sechs Wochen umgesetzt.
Eine vollständige Einführung mit Einkauf, Lager, Buchhaltung und Prozessen ist ein anderes Projekt, mit 10 bis 20 Wochen Laufzeit.
Wann es sich nicht lohnt
Bei wenigen Bestellungen mit hohem Wert und einfachem Sortiment, etwa im Dienstleistungsgeschäft. Ein ERP löst dort ein Problem, das es nicht gibt, und erzeugt Pflegeaufwand.
Auch bei sehr instabilem Sortiment lohnt Zurückhaltung: Wer sein Geschäftsmodell noch sucht, sollte keine Prozesse in Software gießen, die in sechs Monaten anders aussehen.
Welche Systeme in Frage kommen, steht in Welches ERP-System passt zu meinem Onlineshop?. Die Leistungsübersicht steht unter ERP und Warenwirtschaft.