Beantwortet von Matthias Hinsche Stand
Die Begriffe werden im deutschen Markt weitgehend synonym verwendet, und das ist nicht nur Schlamperei: Die meisten Systeme für den Mittelstand decken beides ab.
Die eigentliche Abgrenzung
Warenwirtschaft deckt den Warenfluss ab: Artikelstamm, Bestände, Lager, Einkauf, Verkauf, Versand. Sie beantwortet die Frage, was wo liegt und wohin es geht.
ERP steht für Enterprise Resource Planning und meint die Planung aller Unternehmensressourcen. Neben dem Warenfluss also auch Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung, Produktion, Projekte, teilweise Personal und CRM.
Eine Warenwirtschaft ist damit ein Teil dessen, was ein ERP abdeckt. Der Unterschied ist der Umfang, nicht die Qualität.
Warum die Frage in der Praxis anders lautet
Kein Anbieter im Mittelstand verkauft „nur Warenwirtschaft”. Systeme wie xentral, JTL-Wawi oder Tricoma nennen sich mal so, mal so, und decken in unterschiedlicher Tiefe beides ab. Die nützlichere Frage bei der Auswahl lautet deshalb nicht „ERP oder Warenwirtschaft”, sondern:
- Welche Bereiche sollen im selben System liegen und welche bleiben getrennt?
- Bleibt die Buchhaltung beim Steuerberater oder kommt sie ins System?
- Brauchst du Produktion oder Fertigung, oder nur Handel?
- Sollen CRM und Marketing angebunden sein oder separat bleiben?
Der praktische Rat
Ein System, das alles kann, ist selten in allem gut. Für Handelsunternehmen ist die Kombination aus starker Warenwirtschaft und angebundener Buchhaltungslösung oft die bessere Wahl als ein ERP, das die Buchhaltung mitbringt, aber schlechter macht als der Steuerberater es gewohnt ist.
Umgekehrt: Wer Fertigung mit Stücklisten und Arbeitsplänen hat, kommt mit einer reinen Warenwirtschaft nicht weit.
Welche Systeme für welchen Fall passen, steht in Welches ERP-System passt zu meinem Onlineshop?. Beratung dazu: ERP und Warenwirtschaft.