Beantwortet von der Redaktion von Business.Digital Stand
Vendor Lock-in bezeichnet die Situation, in der ein Unternehmen technisch so tief in ein bestimmtes Produkt oder einen Anbieter eingebunden ist, dass ein Wechsel unverhältnismäßig teuer, aufwändig oder praktisch unmöglich wird.
Das passiert nicht über Nacht und oft ohne Absicht. Ein Unternehmen wählt eine Plattform, weil sie für den aktuellen Bedarf gut passt. Im Lauf der Zeit werden immer mehr Prozesse darauf aufgebaut. Daten liegen in proprietären Formaten. Schnittstellen setzen auf anbieterspezifische APIs. Das interne Team hat Know-how ausschließlich für dieses eine System aufgebaut. Drei Jahre später ist der Wechsel auf eine Alternative rechnerisch so teuer, dass er nicht mehr ernsthaft diskutiert wird, auch wenn der Anbieter die Preise drastisch erhöht oder schlechter wird.
Wo Lock-in am häufigsten entsteht
Besonders stark ist das Risiko bei Cloud-Diensten, die proprietäre Speicherformate oder Datenbankstrukturen verwenden, bei SaaS-Plattformen, die Datenexport nur in eingeschränkter Form anbieten, bei Software-Entwicklungsprojekten, die auf proprietären Frameworks statt auf offenen Standards aufgebaut werden, und bei ERP-Systemen mit aufwändigen Datenmigrationspfaden.
Das bedeutet nicht, dass spezialisierte oder proprietäre Software grundsätzlich falsch ist. Manchmal ist sie die beste Wahl. Aber die Entscheidung sollte bewusst getroffen werden, mit einem klaren Bild davon, was ein Wechsel später kosten würde.
Wie man Lock-in von Anfang an begrenzt
Offene Standards und dokumentierte Schnittstellen sind der wichtigste Hebel. Wenn deine Daten in einem Format gespeichert werden, das jedes andere System lesen kann, bist du nie vollständig eingesperrt. Regelmäßige Datenexporte und Backups in offenen Formaten helfen zusätzlich. Bei individuellen Softwarelösungen solltest du darauf bestehen, dass du Zugang zum Quellcode erhältst und dieser auch tatsächlich sauber dokumentiert ist.
Bei Plattformentscheidungen ist es sinnvoll, die Wechselkosten explizit zu bewerten: Was würde es kosten, in drei Jahren auf eine Alternative zu wechseln? Diese Zahl sollte in jede Entscheidung einfließen.
Wir beraten unsere Kunden bei Software-Projekten und bei der Beratung und Betreuung immer auch mit Blick auf langfristige Flexibilität. Wenn du prüfen lassen willst, ob du in aktuellen Systemen ein Lock-in-Risiko hast, vereinbare einen Termin.