Beantwortet von der Redaktion von Business.Digital Stand
Drei Kennzahlen, die in der Praxis ständig verwechselt werden, obwohl sie unterschiedliche Aufgaben haben. Von unten nach oben gelesen:
Sicherheitsbestand. Die eiserne Reserve, die niemals angetastet werden soll. Sie puffert zwei Dinge ab: dass der Lieferant länger braucht als vereinbart, und dass die Nachfrage plötzlich steigt.
Mindestbestand. Der absolute Boden. Er schließt den Sicherheitsbestand ein und beschreibt die Menge, die während der Lieferzeit noch verfügbar sein muss.
Meldebestand. Der Auslösepunkt für die Nachbestellung. Er liegt über dem Mindestbestand, damit zwischen Bestellung und Lieferung genug Ware da ist.
Die Formeln
Sicherheitsbestand = (maximaler Tagesverbrauch - durchschnittlicher Tagesverbrauch) × maximale Lieferzeit. Beispiel: durchschnittlich 10 Stück am Tag, an Spitzentagen 20, Lieferzeit im schlechtesten Fall 12 statt 7 Tage. Ergibt (20 - 10) × 12 = 120 Stück.
Meldebestand = Tagesverbrauch × Lieferzeit + Sicherheitsbestand. Beispiel: 8 Stück am Tag, 5 Tage Lieferzeit, 20 Stück Sicherheitsbestand. Ergibt 8 × 5 + 20 = 60 Stück. Fällt der Bestand auf 60, wird bestellt.
Beide Formeln setzen voraus, dass Verbrauchsdaten und tatsächliche Lieferzeiten bekannt sind. Wer diese Werte im ERP hat, rechnet statt zu schätzen. Wer sie nicht hat, sollte sie ein Quartal lang erfassen, bevor er Bestände festlegt.
Warum die Unterscheidung Geld kostet
Wer Meldebestand und Mindestbestand gleichsetzt, bestellt genau dann, wenn der Boden erreicht ist. Während der Lieferzeit ist das Lager dann leer. Umgekehrt bindet ein zu hoch angesetzter Meldebestand dauerhaft Kapital in Ware, die im Regal steht.
Nicht jeder Artikel braucht dieselben Werte. A-Artikel mit hohem Umsatz bekommen größere Puffer, weil ein Engpass teuer ist. C-Artikel können knapp geführt werden, teilweise auch mit Bestand null und Beschaffung erst auf Bestellung.
Was das ERP daraus macht
Im ERP werden alle drei Werte je Artikel hinterlegt. Das System prüft typischerweise täglich alle Artikel und erzeugt für die, die unter den Meldebestand gefallen sind, einen Bestellvorschlag, entweder als Hinweis an den Einkauf oder als fertige Bestellung.
Komplex wird es, wenn Lieferzeiten schwanken, mehrere Lieferanten zur Auswahl stehen oder der Verbrauch saisonal ist. Gute ERP-Systeme bilden das ab, aber nur mit gepflegten Stammdaten. Ein automatischer Bestellvorschlag auf Basis falscher Lieferzeiten ist schlechter als gar keiner.
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