Jami
Freier Messenger für Chat, Anrufe, Videokonferenzen und Dateiübertragung, laut Anbieter vollständig peer-to-peer. GNU-Paket unter GPLv3 oder später, kostenlos und werbefrei, entwickelt von Savoir-faire Linux Inc. in Montreal. Das Konto braucht weder E-Mail-Adresse noch Telefonnummer.
Übersicht zu Jami: Funktionen, Preise und Alternativen. Alle Angaben basieren auf frei verfügbaren Informationen und stellen keine eigene Bewertung oder Test dar. Alle Angaben wurden am 29.10.2026 einzeln gegen die Herstellerseite geprüft.
Was ist Jami?
Jami ist ein Messenger für Textnachrichten, Gruppenchats, Audio- und Videoanrufe und Videokonferenzen, der ohne zentrale Plattform auskommen will. Die Startseite nennt das Programm „completely peer-to-peer“, es brauche keinen Server, um Daten zwischen Nutzern weiterzuleiten. Wie das funktioniert, beschreibt die Spendenseite: Dein Gerät findet das Gerät deines Gegenübers über ein gemeinsames Verzeichnis und baut dann eine direkte, Ende-zu-Ende-verschlüsselte Verbindung auf, auch hinter den meisten Heimroutern. Grundlage der verteilten Architektur ist OpenDHT, entwickelt von Adrien Béraud.
Hinter Jami steht Savoir-faire Linux Inc. aus Montreal, laut Spendenseite ein Dienstleister, der sich auf freie Software spezialisiert hat. Das Projekt begann dort 2004 als SFLphone, ein SIP-Softphone für GNU/Linux. 2015 kam unter dem Namen Ring die verteilte Architektur, 2016 wurde daraus ein GNU-Paket, und seit 2018 heißt es Jami. Lizenziert ist es unter der GNU GPLv3 oder später, unterstützt von der Free Software Foundation, und 2023 bekam es bei deren Free Software Awards den Social Benefit Award. Nach Angabe auf der Spendenseite nutzen über 250 000 Menschen Jami, mit über 3000 neuen Nutzern am Tag in über 176 Ländern. Die Zahlen stammen vom Anbieter.
Was Jami von den meisten Messengern trennt, ist das Konto. Es braucht weder E-Mail-Adresse noch Telefonnummer, liegt nur auf deinem Gerät und besteht aus einem Schlüsselpaar, an das eine eindeutige Jami-ID gebunden ist. Ganz ohne Infrastruktur geht es trotzdem nicht, und das steht in der Datenschutzerklärung selbst. Savoir-faire Linux bietet laut diesem Text einen kostenlosen öffentlichen DHT-Proxy für Push-Benachrichtigungen auf Mobilgeräten an, dazu steht ein TURN-Server bereit, falls keine direkte Verbindung zustande kommt. Wenige Absätze vorher verspricht derselbe Text, dass deine Kommunikation über gar keinen Server läuft. Beide Dienste speichern laut Anbieter keine Logs und lassen sich in den Einstellungen abschalten. Und ein Blogartikel trägt den Widerspruch schon im Titel: „How does Jami work on mobile without a server?“, Antwort im Vorspann: „proxy servers“.
Für wen eignet sich Jami?
Der Anbieter nennt selbst drei Gruppen: Profis, denen die Sicherheit ihrer Kommunikation wichtig ist, Nutzer, die sich von zentralen Plattformen lösen wollen, und Technikbegeisterte. Für Firmen hebt er die SIP-Anbindung hervor, über die ein Unternehmen weiter unter einer klassischen Rufnummer erreichbar bleibt. Einen dritten Einsatzzweck beschreibt der Blog ausführlich: Kommunikation bei Internetausfällen, im lokalen Netz oder über einen selbst betriebenen Einstiegsknoten. Und die Downloadseite gibt eine klare Plattformempfehlung ab. Die Free-Software-Community rate dazu, Jami unter GNU/Linux zu nutzen.
Weniger passend ist Jami für Teams, die überwiegend mit iPhones arbeiten. Erweiterungen gibt es unter iOS nicht, Benachrichtigungen laufen dort nur über Apples Push-Dienst, und lokale Verbindungen halten nur, solange die App im Vordergrund geöffnet ist. Wer einen Firmennamen als Benutzernamen anlegen will, sollte wissen, dass sich ein Benutzername danach weder übertragen noch löschen oder ändern lässt. Und wer schnelle Fehlerbehebung erwartet, findet auf der Spendenseite einen ungewöhnlich offenen Satz: Das kleine Team aus fünf Entwicklern reiche nicht mehr, um tiefe Fehler zu beheben und Anrufe und Gruppengespräche zuverlässig zu machen.
Jami im Arbeitsalltag
Der Einstieg ist kurz. Du installierst die App, legst ein Konto an und bekommst eine Jami-ID, laut Anbieter eine Zeichenkette aus 40 Zeichen, die dich eindeutig kennzeichnet. Wer will, verknüpft sie mit einem Benutzernamen, der in einem öffentlichen Register auf Ethereum-Blockchain-Basis landet. Kontakte fügst du über diesen Namen oder über die ID hinzu, die Kontaktseite am Desktop zeigt dafür auch einen QR-Code zum Scannen mit der Mobil-App. Ein Konto lässt sich mit mehreren Geräten verbinden. Den Verlauf synchronisiert die Swarm-Technik, eine verteilte Chat-Grundlage auf Basis von git, zwischen allen Geräten.
In Gesprächen versucht Jami laut Anbieter immer die direkteste Verbindung, ohne Umweg über Relais. Klappt das nicht, springt TURN als Rückfallebene ein. Dateiübertragungen liefen anfangs sogar nur über TURN; seit Jami ICE über TCP unterstützt, gehen sie nach Angabe aus dem Jahr 2019 direkt von Gerät zu Gerät, ohne TURN-Server. Bei Videokonferenzen mischt laut einem Artikel von 2022 ein Gastgeber die Videobilder aller Teilnehmenden und schickt das Ergebnis an deren Geräte. Am Desktop holst du Erweiterungen in den Einstellungen unter „Extensions“; im Gespräch erscheint dann ein Button „Extension“, über den du zum Beispiel lokale Live-Untertitel mit einem Whisper-Modell einschaltest, das auf deinem Gerät läuft.
Für Internetausfälle dokumentiert der Anbieter einen eigenen Ablauf. Im lokalen Netz aktivierst du unter „Account Settings → Advanced Settings“ die Option „Local Peer Discovery“; das Netz muss Multicast unterstützen, und dein Gerät wird für alle im selben Netz sichtbar. Weil der Namensserver ohne Internet nicht erreichbar ist, brauchst du dann die rohe Jami-ID statt des Benutzernamens. Der Anbieter rät deshalb, wichtige Kontakte vorab anzulegen. Unter Android stellst du unter „Settings → Connectivity“ auf einen lokalen DHT-Knoten um und umgehst so Googles Server. Wer über das lokale Netz hinaus will, ersetzt den öffentlichen Einstiegsknoten bootstrap.jami.net durch einen eigenen, laut Anleitung etwa als Docker-Container mit OpenDHT.
Angenommen, ein Betrieb will seine Rufnummer behalten und trotzdem verschlüsselt chatten. Dann bindet er ein vorhandenes SIP-Konto in Jami ein. Jami arbeitet dafür nur als Softphone, das SIP-Konto selbst muss bei einem Drittanbieter liegen. Wie so ein Wechsel in bestehende Abläufe passt und wer intern die Konten verwaltet, ist eine Frage der Beratung und Betreuung. Seit Juli 2026 gibt es außerdem ein OpenClaw-Plugin, mit dem du laut Ankündigung OpenClaw-Agenten direkt steuerst; wer KI-Agenten an Kommunikationskanäle anbinden will, landet beim Thema KI-Agentur.
Preise und Pläne
Jami kostet nichts, und die Startseite sagt das gleich doppelt: „Free As in free beer AND as in freedom.“ Dazu kommt das Versprechen, dass es keine Beschränkung bei Dateigröße, Geschwindigkeit, Bandbreite, Funktionen, Zahl der Konten oder Speicher gibt, und dass es auf Jami nie Werbung geben wird. Abgerechnet wird nichts, weder je Nutzer noch je Gerät noch je Konto. Rechtsgrundlage ist die GNU General Public License in Version 3 oder, nach deiner Wahl, einer späteren Fassung.
Vorangekommen ist Jami laut Spendenseite seit mehr als zehn Jahren dank Savoir-faire Linux, Spenden der Nutzer und einer aktiven Community. Spenden kannst du einmalig oder monatlich per Kreditkarte; wiederkehrende Spenden laufen über PayPal. Per Scheck geht es auch, ausgestellt auf Savoir-faire Linux Inc., dann nur von amerikanischen oder kanadischen Banken und in USD oder CAD. Steuerlich absetzbar sind Spenden nicht, und der Anbieter stellt klar, dass sie nicht als Spenden an gemeinnützige Organisationen gelten. Im Blog nennt er Jami trotzdem ein „non-profit project“. Im Gegenzug verpflichten sich Savoir-faire Linux und das Jami-Team, das Geld direkt und ausschließlich in Entwicklung, Tests, Wartung und Verbesserung zu stecken, Jami kostenlos und frei zu halten und einen Transparenzbericht über die Verwendung der Mittel zu veröffentlichen.
Für Unternehmen verweist die Website unter „Professionals“ auf einen eigenen Servicebereich unter jami.biz mit eigener Vertriebsadresse. Stand: Oktober 2026.
Stärken und Schwächen
Die Stärken liegen im Modell. Jami ist kostenlos und hat keine Tarifstufen, laut Startseite gibt es keine Beschränkung bei Dateigröße, Bandbreite, Funktionen, Zahl der Konten oder Speicher. Für das Konto sind keine persönlichen Daten nötig, und es liegt nur auf deinem Gerät. Die Verschlüsselung ist Ende-zu-Ende mit Perfect Forward Secrecy, und laut Anbieter haben weder die Entwickler noch Savoir-faire Linux Zugriff auf die Inhalte. Der Quellcode ist öffentlich, die Lizenz ist die GPLv3 oder später. Im selben lokalen Netz funktioniert Jami auch ohne Internet, und den Einstiegsknoten ins Netz kannst du selbst betreiben. Die Apps decken Linux, Android, Android TV, Windows, macOS und iOS ab, Werbung soll es nie geben.
Die Schwächen stehen zu großen Teilen in den Texten des Anbieters selbst. Der wichtigste Punkt: Das Versprechen, dass Kommunikation über keinen Server läuft, und die Hilfsdienste für Push-Benachrichtigungen und als Rückfallebene stehen in derselben Datenschutzerklärung. Benutzernamen sind endgültig, sie lassen sich weder übertragen noch löschen oder ändern. Ein Konto löschst du Gerät für Gerät, erst danach ist es wirklich weg. Unter iOS fehlen die Erweiterungen, Benachrichtigungen hängen an Apples Push-Dienst, und lokale Verbindungen brauchen die geöffnete App. Telefonie ins klassische Netz geht nur mit einem SIP-Konto bei einem Drittanbieter. Und das Team ist klein: fünf Entwickler, die nach eigener Aussage für zuverlässige Anrufe und Gruppengespräche nicht mehr reichen.
Alternativen zu Jami
Aus derselben Kategorie führt das Verzeichnis unter anderem Signal, Threema Work und Jitsi Meet. Zu deren Architektur und Konditionen machen wir hier keine Aussage, die steht belegt in den jeweiligen Einträgen.
Für den Vergleich lohnen drei Fragen, die bei Jami belegt beantwortet sind. Erstens das Konto: keine E-Mail-Adresse, keine Telefonnummer, gespeichert nur auf dem Gerät. Zweitens der Weg der Daten: direkt zwischen den Geräten, mit Hilfsdiensten für Push-Benachrichtigungen, Namenssuche, Einstieg ins Netz und als Rückfallebene. Drittens die Plattform: Die Free-Software-Community empfiehlt laut Anbieter GNU/Linux, unter iOS gelten Einschränkungen.
Jami im Vergleich
Diese Einordnung rechnet sich aus dem Verzeichnis selbst: Jami steht in einer Kategorie mit 124 Werkzeugen.
Jami ist kostenlos. In der Kategorie gilt das für 5 von 124 Werkzeugen.
Der Anbieter sitzt außerhalb der EU. In dieser Kategorie führt das Verzeichnis 49 Alternativen mit EU-Sitz, davon 34 aus Deutschland.
Überblick
Wir halten Jami für eine ernsthafte Wahl, wenn das Konto ohne Telefonnummer und die direkte Verbindung zwischen Geräten das Hauptargument sind. Kleine Teams mit Linux- und Android-Geräten, Vereine und Initiativen, Notfallkommunikation im lokalen Netz: Dafür ist der Ansatz konsequent, und die Kosten sind null. Bemerkenswert finden wir, wie offen der Anbieter mit den eigenen Grenzen umgeht, von der Teamgröße bis zu den iOS-Einschränkungen.
Vor einem Einsatz als Firmenmessenger würden wir drei Dinge klären. Erstens die Infrastruktur: „Kein Server“ heißt bei Jami, dass die Inhalte im Normalfall direkt laufen, nicht, dass gar keine Dienste beteiligt sind. Wer intern verspricht, es laufe nichts über fremde Server, verspricht mehr als die Datenschutzerklärung des Anbieters. Zweitens die Verlässlichkeit: Ein Team, das selbst schreibt, es komme mit tiefen Fehlern und zuverlässigen Gruppenanrufen nicht hinterher, ist ein Hinweis, den wir ernst nehmen würden. Größere Videokonferenzen würden wir vorher ausprobieren. Drittens die Verwaltung: Benutzernamen sind endgültig, Konten werden geräteweise gelöscht. Wer Mitarbeitende ein- und austreten lässt, braucht dafür einen eigenen Prozess, und was der Servicebereich unter jami.biz dazu anbietet, solltest du dort direkt erfragen.
Überblick
- ✓ Textnachrichten, Gruppenchats, Audio- und Videoanrufe sowie Videokonferenzen und Treffpunkte (Rendezvous points) ohne Hosting durch Dritte
- ✓ Aufnahme von Audio- und Videonachrichten, Bildschirmfreigabe, Medien-Streaming und Dateiübertragung
- ✓ Konto ohne E-Mail-Adresse und Telefonnummer, gespeichert nur auf dem eigenen Gerät als Schlüsselpaar mit eindeutiger Jami-ID
- ✓ Ein Konto auf mehreren Geräten, der Verlauf wird über die git-basierte Swarm-Technik zwischen den Geräten synchronisiert
- ✓ Optionaler Benutzername, abgelegt in einem öffentlichen Register auf Ethereum-Blockchain-Basis
- ✓ Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit Perfect Forward Secrecy nach dem X.509-Standard, Absicherung der Verbindungen per TLS/SRTP
- ✓ Kommunikation im lokalen Netz ohne Internet über lokale Peer-Erkennung, sofern das Netz Multicast unterstützt; unter Android zusätzlich ein lokaler DHT-Knoten
- ✓ Arbeitet auch als SIP-Client für ein bestehendes SIP-Konto bei einem Drittanbieter
- ✓ Erweiterungen für Desktop und Android, darunter Green Screen, Wasserzeichen, automatische Antwort und lokale Live-Untertitel mit einem Whisper-Modell, dazu ein SDK für eigene Erweiterungen
- ✓ Apps für Linux, Android, Android TV, Windows, macOS und iOS
Vorteile
- + Kostenlos ohne Tarifstufen, laut Startseite ohne Beschränkung bei Dateigröße, Bandbreite, Funktionen, Zahl der Konten oder Speicher
- + Für das Konto sind keine persönlichen Daten nötig, weder E-Mail-Adresse noch Telefonnummer, und es liegt nur auf dem eigenen Gerät
- + Freie Software als GNU-Paket unter GPLv3 oder später, mit öffentlichem Quellcode
- + Laut Anbieter haben weder die Entwickler noch Savoir-faire Linux Zugriff auf die Inhalte
- + Im selben lokalen Netz funktioniert Jami laut Anbieter auch ohne Internetverbindung
- + Die Hilfsdienste DHT-Proxy und TURN-Server speichern laut Datenschutzerklärung keine Logs und lassen sich in den Einstellungen abschalten
- + Werbefrei, mit der Zusage, dass es auf Jami nie Werbung geben wird
- + Einstiegsknoten lässt sich selbst betreiben, etwa per Docker-Container mit OpenDHT, wenn bootstrap.jami.net nicht erreichbar ist
Nachteile
- - Ganz ohne Server läuft es nicht: Savoir-faire Linux bietet einen DHT-Proxy für Push-Benachrichtigungen auf Mobilgeräten an, dazu steht ein TURN-Server bereit, falls keine direkte Verbindung zustande kommt
- - Ein einmal angelegter Benutzername lässt sich laut Datenschutzerklärung weder übertragen noch löschen oder ändern
- - Ein Konto wird je Gerät gelöscht und ist erst weg, wenn es auf allen Geräten gelöscht wurde
- - Unter iOS keine Erweiterungen, Benachrichtigungen nur über Apples Push-Dienst und lokale Verbindungen nur bei geöffneter App im Vordergrund
- - Laut Spendenseite arbeiten fünf Entwickler an Jami, nach eigener Aussage zu wenige, um tiefe Fehler zu beheben und Anrufe und Gruppengespräche zuverlässig zu machen
- - Telefonie ins klassische Netz nur mit einem SIP-Konto bei einem Drittanbieter, Jami selbst ist kein SIP-Anbieter
- - Spenden gehen an das Dienstleistungsunternehmen Savoir-faire Linux Inc., sind nicht steuerlich absetzbar und gelten nicht als Spenden an gemeinnützige Organisationen
Tags
Jami im Einsatz
Noch nicht sicher, ob es das richtige Tool ist?
Der Aufruf oben passt, wenn deine Entscheidung steht. Wenn du noch vergleichst, hilft dir eher eins von beiden.