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Marketing 7 Min. Lesezeit

Interne Verlinkung: Der SEO-Hebel, den du selbst in der Hand hast

Wie interne Verlinkung Autorität und Crawling innerhalb der eigenen Domain steuert, was ein brauchbarer Ankertext ist, warum Klicktiefe zählt, wie Pillar-Cluster funktionieren und wie du verwaiste Seiten mit Search Console und Screaming Frog kostenlos findest.

BD-Roboter verbindet Unterseiten einer Website und zeigt, wie interne Verlinkung Linkkraft im Seitenbaum verteilt

Backlinks sind das, worüber alle reden. Interne Verlinkung ist das, was du heute Nachmittag selbst ändern kannst. Für einen Backlink brauchst du jemand anderen: eine Redaktion, einen Partner, ein Branchenportal, im Zweifel ein Budget. Für einen internen Link brauchst du dein CMS und zehn Minuten.

Damit du nicht bis zum Schluss lesen musst, die Entscheidungsregel vorweg. Unsere Faustregel aus Website-Audits: Ab rund 100 indexierten URLs wird interne Verlinkung zu einem eigenen Hebel. Darunter zieht die Hauptnavigation ohnehin jede Seite auf Klicktiefe 2, und dein Problem heißt dann fehlender Inhalt, nicht fehlende Struktur. Ab etwa 300 URLs, also bei jedem gewachsenen Blog oder Shop, ist es meist der größte unbearbeitete Posten im On-Page-SEO.

Was interne Verlinkung für Google tatsächlich leistet

Google schreibt in der eigenen Dokumentation zu Links, dass jede Seite, die dir wichtig ist, von mindestens einer anderen Seite deiner Website verlinkt sein sollte. Kein Link, keine zuverlässige Entdeckung.

Wichtig: Google crawlt ausschließlich ein <a>-Element mit href-Attribut. Ein div mit onclick-Handler, ein per JavaScript nachgeladener Router-Aufruf oder ein “Mehr laden”-Button ist für den Crawler kein Link. In der Praxis trifft das vor allem Shop-Filter, Mega-Menüs und Blog-Übersichten mit Nachladefunktion.

Zur Linkkraft: Sistrix beschreibt es so, dass du über interne Links die Stärke, die eine Seite durch Backlinks bekommt, an andere Unterseiten weitergibst. Wenn dir jemand vorrechnet, dass genau 85 Prozent weitergereicht werden und ein Link auf einer Seite mit zehn Links exakt ein Zehntel abbekommt, dann rechnet er mit dem PageRank-Modell von 1998. Die Richtung stimmt. Die Zahlen sind geraten, und Google hat seit über 20 Jahren nicht bestätigt, wie der Verteilschlüssel heute aussieht.

Crawl-Budget kannst du dir in den meisten Fällen sparen. Google nennt in der Dokumentation grobe Schwellen: relevant ab etwa einer Million Seiten mit wöchentlich wechselnden Inhalten oder ab rund 10.000 Seiten mit täglich wechselnden Inhalten. Bei einer Firmenwebsite mit 120 Seiten ist Crawl-Budget kein Argument, auch wenn es gern als eins verkauft wird. Bei einem Shop mit 40.000 Varianten- und Filter-URLs schon.

Ankertext, Klicktiefe und Pillar-Cluster

Google sagt zum Ankertext: beschreibend, kurz, kein “hier klicken”, kein “mehr erfahren”, und kein Keyword-Stopfen, weil das unter die Spam-Richtlinien fällt.

Wie das in der Realität läuft, hat LinkStorm 2025 gemessen. Ausgewertet wurden 2,5 Millionen interne Fließtext-Links von 1.700 Websites. Bei 28 Prozent gab es überhaupt keine Überschneidung zwischen Ankertext und Titel der Zielseite, bei weiteren 63 Prozent nur eine schwache. Als sauber ausgerichtet gelten am Ende 8 Prozent. Fairerweise dazu: Gemessen wurde reine Wortüberschneidung nach Jaccard, nicht Bedeutung. Ein Ankertext kann inhaltlich passen und trotzdem niedrig punkten, weil er andere Wörter benutzt als der Titel. Selbst mit diesem groben Maß bleibt der Befund unangenehm.

Klicktiefe ist der zweite Hebel. John Mueller von Google hat 2018 klargestellt, dass nicht die Schrägstriche in der URL zählen, sondern die Zahl der Klicks von der Startseite aus. Die Faustregel “maximal drei Klicks” steht so nirgends bei Google, taugt aber als Arbeitsgrenze.

Für den Pillar-Cluster gibt es vier Regeln, die man tatsächlich abarbeiten kann:

  • Jeder Cluster-Beitrag setzt genau einen Link auf die Pillar-Seite, im ersten Drittel des Textes.
  • Der Ankertext beschreibt die Pillar-Seite, nicht den Beitrag, in dem er steht.
  • Die Pillar-Seite verlinkt zurück auf jeden Cluster-Beitrag, ohne Ausnahme. Was sie nicht verlinkt, gehört nicht zum Cluster.
  • Querlinks zwischen Beiträgen nur dort, wo du im Satz danach begründest, warum jemand weiterlesen soll.

Bei uns ist die Seite zu SEO und Online-Marketing so eine Pillar-Seite, dieser Beitrag ein Cluster-Stück davon.

So prüfst du deinen Ist-Zustand mit kostenlosen Mitteln

  1. Search Console, Bericht “Links”. Linke Navigation, “Links”, dann rechts der Block “Interne Links” mit den am häufigsten verlinkten Seiten. Wenn Impressum, Datenschutz und AGB die Top 5 belegen und deine wichtigste Leistungsseite auf Platz 30 steht, verlinkst du praktisch nur über den Footer. Google weist selbst darauf hin, dass der Bericht nur eine Auswahl zeigt und die Tabellen bei 1.000 Zeilen enden.

  2. Screaming Frog SEO Spider installieren. Die kostenlose Fassung crawlt 500 URLs pro Durchlauf, ohne Anmeldung und ohne Zeitlimit. Für die meisten Mittelstandswebsites deckt das den kompletten Bestand ab. Die Lizenz kostet laut Anbieter 199 Pfund im Jahr, hebt das URL-Limit auf und schaltet zusätzlich die Konfiguration, JavaScript-Rendering, Custom Extraction, die API-Anbindungen an Search Console und Analytics sowie das Speichern von Crawls frei. Für die sechs Schritte hier reicht die freie Fassung.

  3. Klicktiefe und Inlinks auswerten. Reiter “Internal”, Spalte “Crawl Depth” absteigend sortieren. Alles ab Tiefe 4 ist ein Kandidat. Die Spalte “Inlinks” daneben zeigt, wie viele interne Links auf die jeweilige Seite zeigen. Erfahrungswert aus unseren Audits, keine Erhebung: Bei Websites zwischen 150 und 400 URLs liegen typischerweise 15 bis 30 Prozent der Seiten bei höchstens einem Inlink.

  4. Verwaiste Seiten aufspüren. Exportiere die gecrawlten URLs und stelle sie in einer Tabelle der URL-Liste aus deiner XML-Sitemap gegenüber, ein SVERWEIS reicht. Was in der Sitemap steht, im Crawl aber fehlt, hat null interne Links.

  5. Ankertexte gegenprüfen. Zielseite anklicken, unten den Bereich “Inlinks” öffnen, Spalte “Anchor Text”. Steht dort achtmal “hier” und dreimal “mehr”, hast du deine Arbeitsliste.

  6. Abarbeiten statt planen. Fünf Beiträge pro Woche, je zwei bis drei Links auf die Seiten, die Geld verdienen sollen. Nach zwei Monaten sind das 100 neue interne Links, ohne dass daraus ein Projekt geworden ist.

Wann du die Finger davon lassen solltest

Zwei Situationen, in denen interne Verlinkung verschwendete Zeit ist.

Erstens vor einem Relaunch. Ändert sich die URL-Struktur in den nächsten Wochen, baust du hunderte Links auf Adressen, die danach über eine 301-Weiterleitung laufen. Erst den Relaunch mit sauberem Weiterleitungsplan, dann die Verlinkung. Wie das sonst ausgeht, steht im Beitrag zu Ranking-Verlusten beim Relaunch.

Zweitens, wenn die Search Console für deine Seiten “Gefunden, zurzeit nicht indexiert” meldet und die betroffenen Seiten aus 200 Wörtern Standardtext bestehen. Google hat sie gefunden und sich gegen die Aufnahme entschieden. Ein zusätzlicher interner Link ändert daran nichts. Eine gut verlinkte dünne Seite bleibt eine dünne Seite.

Häufige Fehler bei der internen Verlinkung

Der “Mehr laden”-Button in der Blog-Übersicht. Der teuerste Fehler aus der Praxis, weil ihn im Browser niemand bemerkt. Die Übersicht zeigt zwölf Beiträge, der Rest kommt per JavaScript nach. Ursache: Auf die Beiträge 13 bis 200 zeigt kein <a href>. Folge: Diese Beiträge hängen allein an der Sitemap, tauchen im Crawl ohne einen einzigen Inlink auf und ranken entsprechend. Der Fix ist eine klassische Pagination mit echten Links, zusätzlich zum Button.

Immer derselbe generische Ankertext. “Hier klicken”, “mehr erfahren”, “weiterlesen”. Für Google steht dort nichts, für Screenreader-Nutzer auch nicht.

Navigation und Footer als einzige Verlinkung. Diese Links stehen auf jeder Seite gleich und sagen deshalb nichts darüber aus, welche Seite gerade wichtig ist. Ein Fließtext-Link steht in einem inhaltlichen Zusammenhang, ein Footer-Link steht überall.

Links aus toten Ecken setzen. Weitergeben kann nur, wer selbst etwas hat. Wenn deine wichtigste Seite ausschließlich aus einem Beitrag verlinkt ist, der laut Search Console seit einem Jahr weder Klicks noch nennenswerte Impressionen hat, bewegt sich nichts. Setz die Links dort, wo Traffic und externe Links ankommen.

Kannibalisierung durch identische Ankertexte. Fünfmal “SEO Beratung” als Ankertext, dreimal auf Seite A und zweimal auf Seite B: Google muss raten, welche gemeint ist. Pro Keyword eine Zielseite, konsequent.

Die übrigen On-Page-Faktoren von Title bis Ladezeit stehen in unserer On-Page-SEO-Checkliste. Interne Verlinkung ist dort einer von zwanzig Punkten, hier ist sie der ganze Beitrag.

Was du diese Woche machen kannst

Crawl starten, alle Seiten mit höchstens einem Inlink notieren, fünf davon aus thematisch passenden Beiträgen heraus verlinken. Das ist der komplette erste Durchgang und kostet dich ungefähr zwei Stunden.

Was du erwarten darfst: Bewegung bei Seiten, die vorher praktisch nicht mitgespielt haben, sichtbar meist nach vier bis acht Wochen. Erfahrungswert, keine Garantie. Was du nicht erwarten darfst: dass eine hart umkämpfte Hauptkategorie allein durch interne Links nach vorn kommt.

Eine Fokus-Session beantwortet dir, ob deine Struktur überhaupt der Engpass ist. 60 Minuten an deinem Seitenbaum: Wir nehmen die Seiten mit höchstens einem Inlink, prüfen, welche davon überhaupt ranken sollen, und legen fest, aus welchen Beiträgen die fehlenden Links kommen.

#SEO #Interne Verlinkung #Website-Struktur

Über den Autor

Matthias Hinsche
Matthias Hinsche

Gründer & Geschäftsführer der BuI Hinsche GmbH und der Marke Business.Digital

Matthias Hinsche baut seit 2006 E-Commerce-Lösungen. Vom ersten osCommerce-Modul bis zur KI-gestützten Prozessautomatisierung. Shopware Premium Extension Partner, xentral-Partner, und einer der wenigen, die sowohl Core-Entwicklung als auch betriebswirtschaftliche Prozesse wirklich verstehen.

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