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Marketing 6 Min. Lesezeit

Keyword-Recherche für KMU: So findest du die richtigen Suchbegriffe

Keyword-Recherche für KMU ohne teures SEO-Abo: Welche Tools du wirklich brauchst, wie du Long-Tail-Begriffe findest und woran die meisten Mittelständler scheitern.

Roboter analysiert Keyword-Daten auf einem Dashboard für die SEO-Strategie eines Mittelständlers

Die meisten Mittelständler stochern bei Keywords im Nebel. Sie wissen ungefähr, wofür sie gefunden werden wollen, raten sich ein paar Suchbegriffe zusammen und schreiben dann Texte, die niemand sucht. Eine eigene Website haben fast alle, aber nur ein kleinerer Teil betreibt aktiv SEO. Genau dort, in dieser Lücke, liegt der billigste Sichtbarkeitsgewinn, den man im Marketing aktuell holen kann.

Keyword-Recherche klingt nach einer Disziplin, die nur Agenturen oder Spezialisten beherrschen. Ist sie nicht. Du brauchst keine teuren Abo-Tools und kein eigenes Marketing-Team, um die richtigen Suchbegriffe für dein Unternehmen zu finden. Du brauchst eine klare Methode und zwei Stunden Zeit pro Woche.

Was Keyword-Recherche für KMU wirklich leisten muss

Bei großen Marken geht es darum, ein paar generische Begriffe wie „Versicherung” oder „Hotel” zu dominieren. Das ist ein Budget-Wettrüsten, das du als Mittelständler nie gewinnst. Deine Aufgabe ist eine andere: Du willst die spezifischen Suchanfragen abdecken, bei denen jemand mit konkretem Kaufinteresse landet.

Ein Beispiel macht das schnell klar. „Steuerberater” hat in Deutschland fünfstellige monatliche Suchvolumina und wird von hunderten Kanzleien umkämpft. „Steuerberater für GmbH-Gründung in Leipzig” hat vielleicht 50 Suchanfragen pro Monat. Aber der zweite Begriff bringt dir Anrufer, die wirklich kaufen wollen. Diese spezifischen Suchanfragen heißen Long-Tail-Keywords, und die Conversion-Raten liegen deutlich über denen der breiten Suchbegriffe, weil die Suchintention klarer ist.

Für ein KMU bedeutet das: Lieber zehn Long-Tail-Begriffe mit je 50 Anfragen sauber abdecken, als sich an einem generischen Begriff mit 50.000 Anfragen die Zähne ausbeißen.

Die Werkzeuge, mit denen du auskommst

Du brauchst keine 200 Euro pro Monat für ein SEO-Tool. Für die meisten KMU reichen diese vier Quellen, drei davon kostenlos.

Google Search Console

Das wichtigste kostenlose Tool, das du wahrscheinlich schon hast und nicht ausschöpfst. Im Bericht „Leistung” siehst du, für welche Suchanfragen deine Seiten bereits in den Google-Ergebnissen auftauchen, wie oft und mit welcher Position. Sortier die Tabelle nach Impressionen und schau dir die Begriffe an, bei denen du auf Position 5 bis 15 stehst. Das sind die Suchanfragen, die mit überschaubarem Aufwand auf die erste Seite klettern können. Oft sind das Begriffe, an die du selbst nie gedacht hättest.

Google Keyword Planner

Kostenlos, aber du brauchst einen Google-Ads-Account, um ihn zu nutzen. Du musst keine Anzeigen schalten. Der Planer zeigt dir Suchvolumina und Vorschläge für verwandte Keywords. Ein Hinweis: Ohne aktive Kampagne zeigt Google nur noch Bereiche an wie „1.000 bis 10.000 Suchanfragen”, keine exakten Zahlen mehr. Für die Priorisierung reicht das.

Ubersuggest

Neil Patels Tool hat einen kostenlosen Tageskontingent, der für ein KMU meist reicht. Die kostenpflichtige Version startet im Bereich von etwa 30 Euro im Monat. Brauchbar für Wettbewerbsanalysen: Du gibst die Domain eines Konkurrenten ein und siehst, für welche Begriffe der rankt.

AnswerThePublic visualisiert echte Fragen, die Leute zu einem Thema bei Google eingeben. Für jeden, der Ratgeber-Inhalte schreibt, eine Goldgrube. Google Trends zeigt saisonale Verläufe, was bei Themen mit Schwankungen wichtig ist. Und die Suchvorschläge im Google-Suchfeld sind die simpelste Keyword-Quelle überhaupt: Tipp deinen Begriff ein und schau, was Google von selbst ergänzt.

Wer professionell rankt und Wettbewerber detailliert analysiert, wird langfristig zu Ahrefs oder Semrush wechseln. Beide kosten ab rund 100 Euro im Monat und liefern Daten, die du anders nicht bekommst. Für den Einstieg ist das aber überdimensioniert.

So gehst du Schritt für Schritt vor

Erstens: Themen sammeln, nicht Keywords. Schreib auf, welche zehn bis zwanzig Fragen deine Kunden im Erstgespräch immer wieder stellen. Diese Fragen sind die Basis für jede sinnvolle Keyword-Recherche. Sie spiegeln echte Suchintentionen wider, nicht das, was sich gut anhört.

Zweitens: Jede Frage in Google eingeben. Schau dir die Vorschläge im Suchfeld an, scrolle bis zu den „Verwandten Suchanfragen” am Seitenende und notiere, was relevant aussieht. Allein damit hast du oft schon 50 brauchbare Begriffe.

Drittens: Suchvolumen und Wettbewerb prüfen. Geh die Liste mit Keyword Planner oder Ubersuggest durch. Streich alles, was unter 10 Anfragen pro Monat liegt, außer es ist ein extrem klar definiertes Long-Tail-Keyword mit hoher Kaufabsicht.

Viertens: Sortiere nach Suchintention. Nicht jeder Begriff ist gleich. „Was ist ein ERP-System” ist informational, da will jemand etwas lernen. „ERP-System Vergleich” ist commercial, da prüft jemand Anbieter. „ERP-System kaufen Mittelstand” ist transactional. Pro Suchintention brauchst du eine andere Art von Inhalt: Ratgeber, Vergleichsartikel oder konkrete Leistungsseite.

Fünftens: Eine Seite pro Hauptkeyword. Zwei Seiten, die auf denselben Begriff optimieren, kannibalisieren sich. Jedes Hauptkeyword bekommt eine Seite, die Sekundär-Keywords werden in derselben Seite mit abgedeckt.

Was die meisten Mittelständler falsch machen

Erstens fixieren sie sich zu früh auf Suchvolumen. Ein Keyword mit 100 Anfragen, bei dem du auf Platz 1 stehst, bringt dir mehr als ein Keyword mit 10.000 Anfragen, bei dem du auf Seite drei verstaubst. Aufmerksamkeit fließt zu den ersten drei Treffern.

Zweitens kopieren sie Wettbewerber statt eigene Stärken zu suchen. Wenn drei große Anbieter eine bestimmte Suchanfrage dominieren, wirst du sie selten verdrängen. Schau lieber, welche Suchanfragen niemand richtig abdeckt. Das sind oft sehr spezifische Probleme, für die nur dünne Foren-Antworten oder gar nichts zu finden ist.

Drittens vergessen sie, die Recherche zu wiederholen. Suchverhalten ändert sich, neue Begriffe entstehen, alte sterben. Einmal im Quartal die Search Console durchgehen und die eigene Keyword-Liste aktualisieren reicht, kostet eine Stunde und verhindert, dass du an alten Daten festklebst.

Wer das ernst nimmt, hat innerhalb von sechs Monaten eine deutlich klarere Vorstellung davon, worüber er online überhaupt schreibt und für wen. Mehr Sichtbarkeit ergibt sich daraus fast nebenbei.

Wenn du den Prozess strukturiert aufsetzen willst, ohne dass es zwischen Tagesgeschäft und Marketing hängen bleibt, schauen wir uns das in unserer SEO-Beratung gemeinsam an. Eine Fokus-Session reicht oft schon, um deine Top-20-Keywords sauber zu definieren und die ersten Lücken zu schließen.

#Keyword-Recherche #SEO #Mittelstand

Über den Autor

Matthias Hinsche
Matthias Hinsche

Gründer & Geschäftsführer, BuI Hinsche GmbH / Business.Digital

Matthias Hinsche baut seit 2006 E-Commerce-Lösungen. Vom ersten osCommerce-Modul bis zur KI-gestützten Prozessautomatisierung. Shopware Premium Extension Partner, xentral-Partner, und einer der wenigen, die sowohl Core-Entwicklung als auch betriebswirtschaftliche Prozesse wirklich verstehen.

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