Zum Inhalt springen
Business.Digital
5 Min. Lesezeit

Prozesse automatisieren: Wo du als KMU anfangen solltest

Welche Prozesse sich für KMU am besten automatisieren lassen, was Make, Zapier und n8n kosten und warum der erste Schritt kleiner ist, als die meisten denken.

Prozesse automatisieren KMU – Roboter steuert Automatisierungsworkflows zwischen verschiedenen Systemen

Die Buchhalterin verbringt jeden Montag zwei Stunden damit, Bestellungen aus dem Onlineshop in eine Excel-Tabelle zu übertragen. Der Vertrieb tippt nach jedem Kundengespräch dieselben Felder in drei verschiedene Systeme. Der Einkauf schickt täglich die gleiche Bestellübersicht als manuell erstellte E-Mail.

Das sind keine Ausnahmen. Das ist Alltag in den meisten KMU. Und das sind genau die Prozesse, bei denen du anfangen solltest.

Welche Prozesse sich am besten eignen

Nicht alles lässt sich automatisieren, und nicht alles sollte es. Was sich hingegen gut eignet, folgt klaren Mustern:

Daten übertragen. Wenn Daten von System A nach System B kopiert werden, ohne dass dabei eine Entscheidung getroffen wird, ist das ein Automatisierungskandidat. Shop zu CRM, CRM zu Buchhaltung, Formular zu Projektmanagement-Tool – all das braucht keinen Menschen dazwischen.

Benachrichtigungen und Statusupdates. Wenn ein neues Lead reinkommt, soll automatisch eine Slack-Nachricht rausgehen und ein Task entstehen. Wenn eine Bestellung den Status wechselt, soll die Tracking-E-Mail raus. Das kann eine Maschine zuverlässiger als ein Mensch, der es vergessen kann.

Wiederkehrende Berichte. Wöchentliche Auswertungen, die jemand manuell aus verschiedenen Quellen zusammenstellt, lassen sich automatisiert erstellen und versenden.

Dokumente und Standardmails. Angebote, Rechnungen, Bestätigungsmails: Was nach einem Template funktioniert, lässt sich automatisieren.

Was sich nicht gut eignet: Prozesse, die Beurteilung erfordern, bei denen Kontext und Erfahrung wichtig sind, oder Kundenkontakt, der eine persönliche Note braucht. Automatisierung ersetzt kein Urteilsvermögen.

Was Automatisierung in der Praxis kostet und bringt

Einfache Automatisierungen, also ein bis zwei Systeme verbinden und eine Regel definieren, sind mit Tools wie Make oder n8n für 500 bis 2.000 Euro umzusetzen. Komplexere Lösungen mit mehreren Schnittstellen, Fehlerbehandlung und Monitoring liegen zwischen 2.000 und 15.000 Euro.

Die Amortisation passiert schnell. Automatisierungsdienstleister berichten, dass sich die meisten Projekte innerhalb von 3 bis 6 Monaten durch die eingesparte Arbeitszeit bezahlt machen. Wer täglich 90 Minuten manuelle Datenpflege hat und das auf 10 Minuten reduziert, spart im Jahr über 400 Arbeitsstunden. Das entspricht bei einem Stundensatz von 30 Euro rund 12.000 Euro, die nicht mehr für Routinearbeit ausgegeben werden.

Ein konkretes Beispiel

Ein Online-Händler mit acht Mitarbeitern hat täglich 20 bis 50 neue Bestellungen. Der bisherige Ablauf: Bestellung aus dem Shop in die Warenwirtschaft kopieren, Tracking-Nummer zurückspielen, Kundenmail manuell versenden. Aufwand: etwa 3 Minuten pro Bestellung, macht bei 35 Bestellungen täglich 105 Minuten tägliche Handarbeit.

Mit einer Automatisierung über Make oder einer direkten Shop-ERP-Anbindung passiert das alles ohne manuellen Eingriff. Die Einrichtung einer solchen Automatisierung dauert je nach Systemkonstellation ein bis drei Tage. Die Zeitersparnis zahlt die Investition innerhalb weniger Wochen zurück.

Welches Tool passt zu dir

Drei Namen fallen in diesem Bereich fast immer: Zapier, Make und n8n.

Zapier ist das Tool, das am schnellsten startet. Über 8.000 App-Integrationen, kaum technisches Wissen nötig, innerhalb einer Stunde erste Automatisierungen live. Der Nachteil: Die Abrechnung erfolgt per ausgeführter Aufgabe, und Kosten skalieren mit dem Volumen. Für häufige, volumenstarke Automatisierungen wird es teuer.

Make (ehemals Integromat) bietet eine visuelle Oberfläche für komplexere, mehrstufige Workflows. Das kostenlose Paket umfasst 1.000 Operationen pro Monat, bezahlte Pläne starten ab etwa 9 Dollar im Monat. Für mittlere Anforderungen oft das beste Verhältnis aus Komfort und Preis.

n8n ist für technisch versierte Teams oder Unternehmen, die datenschutzsensible Prozesse haben. Open Source, selbst hostbar auf einem eigenen Server für grob 20 Euro im Monat. Keine laufenden Lizenzkosten, dafür mehr Einrichtungsaufwand. Wer Kontrolle über seine Daten will und jemanden hat, der das betreut, ist hier richtig.

Welches Tool passt, hängt nicht nur vom Budget ab, sondern auch davon, wer es künftig betreut. Ein Tool, das niemand im Team versteht, ist nutzlos.

So gehst du die ersten Schritte an

Schreib in den nächsten zwei Wochen auf, welche Aufgaben du oder dein Team täglich wiederholt und ohne Entscheidung ausführst. Wie lange dauert jede davon? Dann priorisiere nach Aufwand und Häufigkeit.

Den Quick Win findest du bei Prozessen, die oft vorkommen, klar strukturiert sind und bei denen ein Fehler nicht das Unternehmen lähmt. Das ist der richtige Anfang, nicht das komplexeste Szenario.

Wer nicht sicher ist, ob und wo sich Automatisierung im eigenen Betrieb lohnt, dem hilft eine strukturierte Analyse vor dem ersten Klick. Im Rahmen unserer Automation-Beratung schauen wir uns das gezielt an. Oder wirf einen Blick auf unsere Beratung und Betreuung, wenn du erst einmal verstehen willst, wo dein Potenzial liegt.

#Automation #KMU #Make #n8n #Workflow

Über den Autor

Matthias Hinsche
Matthias Hinsche

Gründer & Geschäftsführer, BuI Hinsche GmbH / Business.Digital

Matthias Hinsche baut seit 2006 E-Commerce-Lösungen. Vom ersten osCommerce-Modul bis zur KI-gestützten Prozessautomatisierung. Shopware Premium Extension Partner, xentral-Partner, und einer der wenigen, die sowohl Core-Entwicklung als auch betriebswirtschaftliche Prozesse wirklich verstehen.

Weiterführende Ressourcen

Alles was du brauchst, um dein Business zu digitalisieren – von praktischen Tools bis hin zu tiefgehendem Expertenwissen.