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Beratung & Strategie 6 Min. Lesezeit

Warum 3 Agenturen teurer sind als eine

Drei Agenturen klingen nach Flexibilität und Expertise. In der Praxis entstehen dabei oft versteckte Koordinationskosten. Wir erklären, wo das Geld verloren geht und wann ein einziger Partner die bessere Entscheidung ist.

Roboter koordiniert verschiedene digitale Services als zentraler Ansprechpartner für KMU

Viele KMU haben mehrere Agenturen gleichzeitig unter Vertrag. Eine für die Website, eine für SEO, eine für Social Media, vielleicht noch eine für Google Ads. Auf dem Papier klingt das nach einer guten Idee: Spezialisten für jeden Bereich, jeder macht, was er am besten kann.

In der Praxis ist dieses Modell oft teurer als nötig. Und nicht wegen der Agenturstunden.

Die Kosten, die in keiner Rechnung auftauchen

Jede Agentur braucht ein vollständiges Briefing. Eine neue SEO-Agentur muss dein Geschäftsmodell verstehen, deine Zielgruppe kennen, deine bisherigen Maßnahmen einordnen. Das kostet Zeit. Deine Zeit.

In einer Digitalisierungsstudie von 2024 sagten 84 % der befragten KMU-Verantwortlichen, dass ihre Digitalisierungskosten höher ausfielen als geplant. Das liegt selten an der Arbeit einer einzelnen Agentur. Es liegt an Koordinationsaufwand, den niemand vorher auf der Rechnung hatte.

Drei Agenturen bedeuten mindestens drei vollständige Briefings, drei verschiedene Kommunikationstools, drei Abrechnungszyklen und drei Ansprechpartner, die du regelmäßig auf dem gleichen Stand halten musst. Das klingt nach Kleinkram. Ist es nicht.

Das Schnittstellenproblem

Wenn deine Website überarbeitet wird, muss die SEO-Agentur das wissen. Wenn eine neue Kampagne läuft, sollte die Website das widerspiegeln. Wenn du ein neues Produkt launchst, müssen Ads, Content und Shop aufeinander abgestimmt sein. Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht, wenn drei verschiedene Teams beteiligt sind, die keine gemeinsame Kommunikationsstruktur haben.

Konkret: Eine Webagentur optimiert die Seitenstruktur für Conversions und verändert dabei die URL-Hierarchie. Die SEO-Agentur hatte auf genau diese Seiten externe Links aufgebaut. Bis das jemand bemerkt und 301-Weiterleitungen gesetzt sind, hat Google die neuen URLs indexiert und die Linkpower geht teilweise verloren. Kein Fehler, keine Absicht, aber ein klassischer Schnittstellen-Schaden.

In derselben Studie berichteten 67 % der KMU von Problemen bei der Integration verschiedener IT-Systeme. Das gleiche Prinzip gilt für Agenturen: Je mehr externe Partner koordiniert werden müssen, desto mehr Reibung entsteht.

Was Konsistenz kostet, wenn sie fehlt

Das eigentliche Problem ist nicht Zeit. Es ist Kohärenz.

Eine Webdesign-Agentur denkt in Conversion und Nutzerführung. Eine SEO-Agentur denkt in Keywords und Crawlbarkeit. Eine Marketing-Agentur denkt in Zielgruppen und Botschaften. Alle drei Perspektiven sind berechtigt. Wenn niemand sie zusammenführt, bekommst du drei optimierte Einzellösungen, die sich gegenseitig nicht kennen.

Das äußert sich konkret: Produktseiten sind für Suchanfragen optimiert, sprechen aber nicht mehr dieselbe Sprache wie die Ads, die darauf verlinken. Newsletter-Texte klingen anders als die Website. Social-Media-Posts haben einen eigenen Ton, der mit dem Webtext nichts zu tun hat. Das fällt vielen Kunden zunächst nicht auf, aber es kostet Conversion-Rate.

Wann mehrere Agenturen trotzdem sinnvoll sind

Zur Fairness gehört: Es gibt Szenarien, in denen Spezialisten die bessere Wahl sind.

Wenn du einen sehr spezifischen Bedarf hast, der seltene Expertise erfordert, ist eine spezialisierte Agentur oft die bessere Wahl. Ein Shopware-B2B-Setup mit komplexer Preislogik, Performance-Marketing auf einem Nischenmarktplatz oder ein technisches SEO-Audit für einen sehr großen Shop sind Bereiche, in denen Tiefe vor Breite geht.

Das Gleiche gilt, wenn du intern einen starken Koordinator hast. Ein Marketing-Leiter mit Kapazität und Erfahrung im Agenturmanagement kann das Beste aus mehreren Spezialisten herausholen.

Was die meisten kleinen und mittleren Unternehmen nicht haben: Diese interne Kapazität. 65 % der KMU aus derselben Befragung haben keine klar definierten Verantwortlichkeiten für ihre Digitalisierung. Wer die Koordination dann trotzdem auf mehrere externe Partner verteilt, zahlt diesen Aufwand trotzdem, nur versteckt.

Eine einfache Rechnung

Nehmen wir ein mittleres KMU mit 20 Mitarbeitern:

  • SEO-Betreuung: 1.500 Euro pro Monat (realistischer Marktpreis für KMU in einem Wettbewerbsumfeld laut aktuellen Marktpreiserhebungen)
  • Social Media: 2.000 Euro pro Monat (inkl. Content und Community-Management)
  • Website-Betreuung: 500 Euro pro Monat (laufende Pflege und Weiterentwicklung)

Das sind 4.000 Euro monatlich in Agenturleistungen. Dazu kommen Koordinationskosten, die nirgendwo auftauchen: Briefings schreiben, Abstimmungsgespräche führen, Anfragen weiterleiten, Rückfragen klären. Nach unserer Erfahrung sind das bei drei Agenturen schnell 5 bis 8 Stunden im Monat. Bei einem internen Stundenwert von grob 80 Euro entspricht das 400 bis 640 Euro monatlich, also 4.800 bis 7.700 Euro pro Jahr, die schlicht für Koordination draufgehen.

Das sind keine dramatischen Zahlen. Aber es ist Geld, das besser eingesetzt werden könnte.

Was ein Partner statt drei Dienstleister bedeutet

Ein Ansprechpartner, ein Briefing, ein gemeinsamer Kontext. Wenn Website, SEO und Kampagnen von einem Team betreut werden, gibt es keine Schnittstellen, an denen Informationen steckenbleiben. Die Website-Architektur ist von Anfang an auf SEO ausgerichtet. Ads-Texte und Landingpages wurden aufeinander abgestimmt. Änderungen am Shop landen sofort beim Team, das auch die Kampagnen steuert.

Das hat natürlich auch ein Risiko: Eine Agentur, die alles anbietet, ist nicht zwangsläufig in allem gleich gut. Die Frage ist deshalb nicht “Full-Service ja oder nein”, sondern: Wie tief geht die Kompetenz in den Bereichen, die für dich wirklich relevant sind? Wer das ignoriert, tauscht drei Schnittstellenprobleme gegen ein anderes ein.

Wenn du dir nicht sicher bist, welches Modell für dein Unternehmen gerade passt, ist ein konkretes Gespräch oft hilfreicher als jede Checkliste. Über die Fokus-Session schauen wir uns gemeinsam an, was in deinem aktuellen Setup gut läuft und wo Lücken entstehen. Mehr zu unserem Ansatz als dauerhafter digitaler Partner findest du unter Beratung & Betreuung.

#Agentur #KMU #Digitalisierung #Kosten #Full-Service

Über den Autor

Matthias Hinsche
Matthias Hinsche

Gründer & Geschäftsführer, BuI Hinsche GmbH / Business.Digital

Matthias Hinsche baut seit 2006 E-Commerce-Lösungen. Vom ersten osCommerce-Modul bis zur KI-gestützten Prozessautomatisierung. Shopware Premium Extension Partner, xentral-Partner, und einer der wenigen, die sowohl Core-Entwicklung als auch betriebswirtschaftliche Prozesse wirklich verstehen.

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