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Automation 6 Min. Lesezeit

Make vs n8n: Welches Automatisierungstool passt zu dir

Make oder n8n? Beide Tools automatisieren Workflows, treffen aber sehr unterschiedliche Nutzer. Was die Tools unterscheidet, was sie kosten und wann welches die richtige Wahl ist.

BD-Robot hält zwei leuchtende Knotenpunkte in den Händen, symbolisiert Vergleich zweier Automatisierungstools

Irgendwann kommt der Punkt, wo du merkst: Das hier lässt sich nicht mehr per Hand erledigen. Bestellungen, die in ein anderes System übertragen werden müssen. Leads, die manuell ins CRM wandern. E-Mails, die immer gleich beantwortet werden. Irgendjemand macht das. Und dieser Jemand ist zu teuer dafür.

Zwei Tools dominieren den Markt, wenn es um visuelle Workflow-Automatisierung geht: Make (früher Integromat) und n8n. Beide können enorm viel, beide lösen dasselbe Grundproblem. Für wen welches passt, hängt aber von ein paar entscheidenden Fragen ab, die nichts mit Feature-Listen zu tun haben.

Was Make und n8n gemeinsam haben

Beide Tools verbinden externe Dienste per Drag-and-Drop zu automatischen Abläufen. Shopify-Bestellung eingeht, Xentral-Datensatz anlegen, Slack-Nachricht abschicken, PDF generieren. Bei beiden gibt es eine aktive Community, eine Bibliothek fertiger Integrationen und die Möglichkeit, die meisten Standardaufgaben ohne eine Zeile Code zu lösen.

Der Unterschied liegt im Ansatz, in der Zielgruppe und, letztlich, in den Kosten.

Make: Visuell, schnell, cloud-first

Make arbeitet mit einem Canvas-Modell. Szenarien sehen aus wie ein Flussdiagramm: Module werden per Verbindungslinie verknüpft, Filter und Verzweigungen sind eigene visuelle Elemente. Wer noch nie mit Automatisierungstools gearbeitet hat, findet sich hier schnell zurecht. Ein Marketing-Manager kann ein funktionierendes Szenario bauen, ohne den IT-Kollegen fragen zu müssen.

Mit über 3.000 vorgefertigten Integrationen ist Make beim Abdeckungsgrad führend. Gmail, HubSpot, Shopify, Slack, Airtable und noch tausende mehr. Für die meisten SaaS-Tools gibt es eine native Verbindung.

Make hat im August 2025 sein Billing von Operations auf Credits umgestellt. 1.000 Credits gibt es monatlich kostenlos. Der Core-Plan beginnt ab $9 pro Monat, der Pro-Plan ab $16. Höhere Credit-Pakete kosten entsprechend mehr. KI-Module verbrauchen dabei variabel mehr Credits als normale Operationen. Wer viele KI-gestützte Workflows baut, sollte das in die Kostenkalkulation einrechnen.

Make läuft komplett in der Cloud. Self-Hosting gibt es nicht, sieht man von einer On-Premises-Agentenlösung für Großkunden ab. Die Datenhaltung auf EU-Servern ist möglich und für DSGVO-Zwecke zertifiziert.

n8n: Für alle, die mehr Kontrolle wollen

n8n wurde 2019 in Berlin gegründet. Im Oktober 2025 hat das Unternehmen eine Series-C-Finanzierung über $180 Millionen abgeschlossen und erreichte damit Unicorn-Status. Das erwähne ich, weil es zeigt: Hier geht es nicht um ein Hobby-Projekt, sondern um ein ernstes Werkzeug mit langfristiger Perspektive.

Der Ansatz ist technischer. n8n nutzt ein Node-Datenfluss-Modell. Jeder Node verarbeitet Daten und gibt sie weiter. In jedem Schritt lässt sich JavaScript oder Python direkt ausführen, ohne erst auf ein separates Code-Modul wechseln zu müssen. Das gibt Entwicklern eine Freiheit, die Make strukturell nicht bieten kann.

Entscheidend für viele deutsche Unternehmen ist das Self-Hosting. Die Community Edition von n8n ist Open Source und kostenlos. Du installierst n8n auf deinem eigenen Server, auf einem EU-VPS oder direkt in deiner Infrastruktur. Sämtliche Daten verlassen deinen Server nie. Für Branchen mit strengen Compliance-Anforderungen wie Medizin, Recht oder Finanzen ist das oft nicht optional, sondern Pflicht.

Der Cloud-Einstieg kostet €24 pro Monat für den Starter-Plan mit 2.500 Executions. Eine Execution ist ein kompletter Workflow-Durchlauf, unabhängig davon, aus wie vielen Schritten er besteht. Der Pro-Plan liegt bei €60 für 10.000 Executions. Wer hohe Volumina fährt, rechnet Self-Hosting oft günstiger: Eine Cloud-Instanz mit Storage kostet je nach Setup zwischen $80 und $500 im Monat.

n8n bietet über 1.200 vorgefertigte Integrationen. Weniger als Make, aber der HTTP-Node erlaubt die Anbindung nahezu jeder API ohne native Integration.

Welches Tool für welchen Fall

Der Fehler, den viele machen: Sie suchen nach dem “besseren” Tool. Das ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Welches passt zu meinen tatsächlichen Anforderungen?

Nimm Make, wenn…

  • dein Team aus Nicht-Entwicklern besteht und selbst Workflows bauen soll
  • du schnell starten willst, ohne Server-Setup und Infrastrukturpflege
  • der Fokus auf fertig integrierten SaaS-Diensten liegt
  • du eine Cloud-Abhängigkeit in Kauf nehmen kannst

Nimm n8n, wenn…

  • du oder dein Team technisches Grundverständnis mitbringt
  • Datenschutz oder Compliance Self-Hosting voraussetzen
  • du komplexe, individuelle Logik umsetzen musst, die über vorgefertigte Module hinausgeht
  • du langfristig Kosten kontrollieren willst und hohe Execution-Volumina erwartest

Wer datensensible Prozesse automatisieren will und in Deutschland sitzt, hat oft keine echte Wahl: Make ist bequemer, n8n ist sicherer. Das ist kein Angriff auf Make. Das ist der strukturelle Unterschied.

Was KMU in Deutschland tatsächlich tun

Maximal Digital hat 2024 KMU in Deutschland befragt: 82 Prozent arbeiten noch mit überwiegend manuellen oder semi-automatisierten Prozessen. 71 Prozent sehen Prozessdigitalisierung als ihr größtes Einsparpotenzial.

Das zeigt, wo der Markt steht. Die meisten Unternehmen automatisieren noch nicht, obwohl sie es könnten und obwohl sie selbst wissen, wo das Potenzial liegt.

Wer anfängt, landet häufig bei Make, weil der Einstieg niedrigschwelliger ist. Wer aber wächst, stößt auf Grenzen: Datenschutzkonflikte, Kosten bei skalierten Workflows, fehlende Flexibilität bei komplexer Logik. n8n ist dann oft der nächste Schritt. Das ist keine Kritik an Make als Einstiegstool, sondern eine ehrliche Beschreibung, wie viele Unternehmen den Weg gehen.

Drei Fragen bevor du dich entscheidest

Lass dich nicht von Feature-Listen blenden. Drei Fragen helfen mehr als jeder Vergleichsartikel:

Wer baut die Workflows? Wenn das Menschen ohne Programmiererfahrung sind, ist Make fast immer die einfachere Wahl. Punkt.

Welche Daten laufen durch? Kundenbestellungen, Gesundheitsdaten, Finanzinformationen: Je sensibler die Daten, desto mehr spricht für n8n mit Self-Hosting.

Wie viel Volumen erwartest du? Bei hundert Automatisierungen im Monat ist der Preisunterschied irrelevant. Bei hunderttausend rechnet sich Self-Hosting schnell.

Wer diese drei Fragen beantwortet hat, hat in den meisten Fällen auch das richtige Tool vor Augen. Wer sich dabei unsicher ist oder beim Aufbau der ersten Automationen Unterstützung braucht, kann das auf unserer Seite zu Automation & Prozessoptimierung nachlesen oder direkt eine Fokus-Session buchen.

#Make.com #n8n #Workflow-Automatisierung #No-Code #Self-Hosting

Über den Autor

Matthias Hinsche
Matthias Hinsche

Gründer & Geschäftsführer, BuI Hinsche GmbH / Business.Digital

Matthias Hinsche baut seit 2006 E-Commerce-Lösungen. Vom ersten osCommerce-Modul bis zur KI-gestützten Prozessautomatisierung. Shopware Premium Extension Partner, xentral-Partner, und einer der wenigen, die sowohl Core-Entwicklung als auch betriebswirtschaftliche Prozesse wirklich verstehen.

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