KI-Texte und Google: Wann es Rankings kostet
KI-generierte Texte kosten nicht automatisch Rankings, aber unter bestimmten Bedingungen schon. Was Google wirklich bewertet, was E-E-A-T damit zu tun hat und welche Fehler du vermeiden solltest.
KI-Texte sind nicht das Problem. Die Frage, die wirklich zählt, ist eine andere: Für wen schreibst du, und zeigt dein Text das auch?
Google hat seine offizielle Position dazu 2023 klar formuliert und seitdem nicht geändert: Die Herkunft eines Textes, ob Mensch oder Maschine, ist kein Ranking-Faktor. Was gerankt wird, ist Qualität. Was abgestraft wird, ist Spam. Das klingt simpel, und in der Theorie ist es das auch. In der Praxis läuft es trotzdem regelmäßig schief.
Was Google wirklich sagt
Der offizielle Google-Blog-Eintrag zu KI-Inhalten ist eindeutig: “Our focus is on the quality of content, rather than how content is produced.” Google straft nicht ab, weil ein Text KI-generiert ist. Google straft ab, wenn ein Text primär dafür existiert, Suchmaschinen zu manipulieren, und nicht, um Lesern zu helfen.
Das ist ein Unterschied, der im Alltag oft verwischt wird. Wer 200 Produkttexte mit ChatGPT generiert, ohne sie zu prüfen, ohne echte Produktkenntnis einzubauen, ohne irgendeinen menschlichen Mehrwert hinzuzufügen, baut auf dieser Definition Spam. Wer KI als Schreibassistenz nutzt, Texte mit echtem Wissen anreichert und sie lektorierten, baut ordentlichen Content.
Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug, sondern im Ergebnis.
Das March 2024 Core Update und seine Folgen
Im März 2024 hat Google ein Core Update ausgerollt mit dem erklärten Ziel, minderwertige Inhalte um 40 Prozent zu reduzieren. Das ist Googles eigene Zahl, veröffentlicht im Google Search Central Blog. Gleichzeitig kamen neue Spam-Richtlinien, die explizit “scaled content abuse” adressieren, also die massenhafte Erzeugung von Inhalten, die wenig Mehrwert bieten.
Das Update hat viele Websites getroffen, die auf Masse gesetzt hatten. Analysen von mehreren tausend betroffenen Seiten zeigten, dass ein erheblicher Teil davon zwischen 90 und 100 Prozent KI-generierten Content aufwies. Aber das war nicht die Ursache, es war ein Symptom. Der gemeinsame Nenner dieser Seiten war nicht KI, sondern fehlender echter Informationsgehalt.
Eine wichtige technische Änderung begleitete das Update: Google bewertete den Helpful-Content-Faktor seitdem nicht mehr als siteweites Signal, sondern seitenweise. Das bedeutet, eine schlecht geschriebene Seite zieht nicht mehr zwingend die ganze Domain runter. Das ist theoretisch eine Verbesserung für Content-Publisher. Praktisch ändert es nichts daran, dass schlechte Seiten schlechter ranken.
E-E-A-T: Das Konzept hinter der Bewertung
Wenn du verstehen willst, warum manche KI-Texte verlieren und andere nicht, musst du E-E-A-T verstehen. Das Kürzel steht für Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness, und es ist Googles konzeptioneller Rahmen für Inhaltsqualität.
Experience ist der Punkt, an dem KI strukturell verliert. Google bewertet, ob ein Autor echte Erfahrung mit dem Thema hat. Wer einen Text über Shopware-Fehler schreibt, ohne einen Shopware-Shop betrieben zu haben, hinterlässt das typischerweise im Text. Die Formulierungen bleiben allgemein, konkrete Fehlermeldungen fehlen, der Ton klingt zusammengetragen statt erlebt.
Genau das hat das Dezember 2025 Update noch stärker adressiert: Es trifft laut Analysen insbesondere “competent but generic content”, also Texte, die zwar faktisch korrekt sind, aber kein echtes Erfahrungswissen transportieren. Texte, die sich lesen wie eine gute Wikipedia-Zusammenfassung, nicht wie ein Fachmann, der dir etwas erklärt.
Expertise und Authoritativeness lassen sich durch klare Autorenschaft, Verlinkungen auf fachliche Quellen und inhaltliche Tiefe stärken. Das ist nicht unmöglich mit KI-Unterstützung, aber es erfordert aktive Arbeit.
Trustworthiness ist der technische Teil: Impressum, HTTPS, saubere Verlinkungsstruktur, keine irreführenden Aussagen.
Wann KI-Texte tatsächlich Rankings kosten
Es gibt konkrete Muster, bei denen KI-Content systematisch schlechter abschneidet:
Bulk-Generierung ohne Review. Wer hundert Texte per Prompt erzeugt und direkt publisht, ohne einen davon gelesen zu haben, baut mit hoher Wahrscheinlichkeit Inhalte, die Googles Spam-Definition erfüllen.
Themen ohne echtes Erfahrungswissen. KI-Texte zu medizinischen, rechtlichen oder finanziellen Themen schneiden strukturell schlechter ab, weil Google hier besonders streng auf E-E-A-T achtet. Das sind die sogenannten YMYL-Seiten (“Your Money or Your Life”). Hier reicht generiertes Fachwissen nicht.
Dünne Texte auf wettbewerbsstarken Keywords. Wenn dein KI-generierter 500-Wörter-Artikel auf einem Keyword ranken soll, das von Fachredaktionen mit tiefgehenden Ratgebern besetzt ist, verlierst du.
Fehlende interne Verlinkung und Kontextualisierung. KI-Texte neigen dazu, isoliert zu stehen. Texte, die nicht in eine Content-Strategie eingebettet sind und keine sinnvollen internen Links haben, werden schwächer bewertet.
Wie du es richtig machst
KI als Schreibwerkzeug ist legitim. Die Frage ist, wie du es einsetzt.
Recherche und Faktenprüfung bleiben Menschenaufgabe. KI halluziniert plausibel. Zahlen, die nicht stimmen, oder Features, die ein Tool gar nicht hat, ruinieren nicht nur Rankings, sie schaden dem Vertrauen deiner Leser.
Eigene Erfahrungen einbauen ist kein nettes Extra, es ist der entscheidende Qualitätsunterschied. Konkrete Beispiele, eigene Einschätzungen, Fehler, die du selbst gemacht hast: das ist der Stoff, den KI nicht liefern kann und den Google zunehmend sucht.
Strukturelle Qualität behalten: Interne Verlinkung, sinnvolle Meta-Daten, korrekte Autorenangaben. Alles, was Google hilft, den Kontext eines Textes einzuordnen.
Wenn du überlegst, KI-gestützte Content-Prozesse in deinem Unternehmen einzuführen, oder wenn du eine SEO-Strategie aufbauen willst, die auch mit KI-Unterstützung nachhaltig funktioniert, dann hängt der Erfolg davon ab, wie du diese Tools einsetzt. Nicht davon, ob du sie einsetzt.
Der Irrtum, der am teuersten kommt
KI ist kein Ranking-Killer. Aber sie ist eine Abkürzung, die dich an der falschen Stelle ankommen lässt, wenn du sie blind benutzt. Wer KI für Masse statt für Qualität nutzt, bekommt Masse zurück, und Google bewertet das entsprechend.
Der Irrtum, dem viele aufsitzen, ist dieser: weil Google KI-Texte nicht erkennt und pauschal bestraft, seien alle KI-Texte gleich sicher. Das stimmt nicht. Google erkennt keine KI-Texte, aber es erkennt schlechte Texte. Und viele KI-Texte sind schlecht, nicht weil eine Maschine sie schrieb, sondern weil niemand Qualität hinzugefügt hat.
Das ist der Punkt, an dem Rankings verloren gehen.
Über den Autor
Gründer & Geschäftsführer, BuI Hinsche GmbH / Business.Digital
Matthias Hinsche baut seit 2006 E-Commerce-Lösungen. Vom ersten osCommerce-Modul bis zur KI-gestützten Prozessautomatisierung. Shopware Premium Extension Partner, xentral-Partner, und einer der wenigen, die sowohl Core-Entwicklung als auch betriebswirtschaftliche Prozesse wirklich verstehen.