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5 Min. Lesezeit

Xentral oder JTL: Welches ERP passt zu deinem E-Commerce?

Xentral oder JTL-Wawi? Wir vergleichen Preise, Funktionen und Einsatzszenarien der beiden ERP-Systeme – mit aktuellen Zahlen und einer klaren Einschätzung.

Roboter analysiert zwei ERP-Systeme Xentral und JTL auf einem Bildschirm

Zwei Namen tauchen in jedem ERP-Gespräch mit deutschen E-Commerce-Händlern auf: Xentral und JTL-Wawi. Beide sind verbreitet, beide haben ihren Ursprung im deutschsprachigen Markt, und beide lösen im Kern dasselbe Problem – die Verwaltung von Bestellungen, Lager, Versand und Buchhaltung in einem System. Die Unterschiede liegen im Detail, und das Detail entscheidet, welches System drei Jahre später noch funktioniert.

Was beide Systeme können

JTL-Wawi und Xentral überlappen sich im Kern stark. Beide verbinden sich mit den gängigen Shopsystemen (Shopware, Shopify, WooCommerce), den wichtigsten Marktplätzen (Amazon, eBay, OTTO, Kaufland) und den üblichen Versanddienstleistern (DHL, DPD, Hermes). Artikelverwaltung, Bestellabwicklung, Retouren, Rechnungserstellung – das kann beides.

Was sie unterscheidet, ist die Architektur und damit die Frage, wer sie betreibt und wie.

JTL-Wawi ist ein On-Premise-System. Die Software läuft auf einem Windows-Server in deiner Infrastruktur oder der eines Dienstleisters, Daten liegen in einer MS SQL-Datenbank. Das klingt nach Technik von vorgestern, hat aber einen echten Vorteil: vollständige Kontrolle. Keine Abhängigkeit von einem Cloud-Dienst, keine Downtime durch Serverprobleme beim Anbieter, keine Preiserhöhung per E-Mail.

Xentral ist ein SaaS-Produkt. Die Software läuft in der Cloud, du greifst per Browser zu, und Xentral kümmert sich um Hosting, Updates und Sicherheit. Das senkt die Einstiegshürde erheblich, besonders für Teams ohne eigene IT.

Die Preise im direkten Vergleich

Hier trennt sich, wer wirklich vergleicht, von wem nur Listenpreise gegenüberstellt.

JTL-Wawi hat eine kostenlose Einstiegsoption: “JTL Start” ist für Shops bis 500 Artikel gratis nutzbar und enthält Grundfunktionen für Artikelverwaltung, 25+ Marktplatz-Anbindungen und eine Kassenfunktion. Wer wächst, zahlt: Advanced kostet 99 Euro pro Monat, Pro 299 Euro pro Monat. Dazu kommen bei Bestellungen über fremde Marktplätze und Shopify volumenbasierte Gebühren: 100 Bestellungen monatlich kosten 19 Euro extra, 1.000 Bestellungen 119 Euro, 5.000 Bestellungen 389 Euro. Cloud-Hosting kostet ab 39 Euro monatlich extra.

Xentral startet beim Starter-Plan bei 349 Euro pro Monat bei Jahresabrechnung (389 Euro monatlich). Dafür sind 500 Bestellungen im Monat inkludiert, darüber hinaus 0,25 Euro pro Bestellung. Der Business-Plan liegt bei 649 Euro jährlich (719 Euro monatlich) mit 1.500 inkludierten Bestellungen, Pro bei 849 Euro jährlich (939 Euro monatlich). Alle Pläne erlauben unbegrenzte Nutzer und SKUs.

Wer die Kosten nebeneinanderlegt, stellt fest: Für einen Händler mit 500 Bestellungen im Monat kostet JTL Advanced mit Hosting etwa 140 bis 160 Euro monatlich. Xentral Starter liegt bei 349 Euro. Die Lücke ist real. Sie rechtfertigt sich nur, wenn Xentral Features bietet, die JTL nicht liefert.

Was die Preisunterschiede erklären

Xentral bündelt in allen Plänen unbegrenzte Nutzer. Das ist bei wachsenden Teams ein echter Vorteil, weil JTL-Lizenzen mit steigender Nutzeranzahl komplexer werden. Außerdem enthält Xentral ein integriertes CRM, das JTL nicht hat.

JTL hat dafür ein größeres Produktökosystem: JTL-Shop als eigenes Shopsystem, JTL-POS als Kassensystem, JTL-WMS als vollständige Lagerverwaltungslösung. Wer stationären Handel mit Online-Handel verbindet, findet in JTL eine geschlossenere Infrastruktur.

Wer passt wohin

JTL macht Sinn, wenn das Unternehmen ein eigenes IT-Know-how hat oder einen lokalen JTL-Dienstleister einbinden will, wenn Lagerlogistik komplex ist und JTL-WMS gebraucht wird, wenn stationärer Handel über JTL-POS integriert werden soll – und wenn ein kleines Budget den Einstieg bestimmt. Die kostenlose JTL Start-Version ist kein Schaufenster, sie ist produktiv nutzbar.

Xentral macht Sinn, wenn das Team keinen eigenen Server betreiben will, wenn eine API-erste Architektur für Integrationen mit anderen Tools wichtig ist, wenn CRM-Funktionen direkt im ERP gewünscht sind – und wenn das Unternehmen bereit ist, den höheren monatlichen Beitrag für weniger administrativen Aufwand zu zahlen.

Was in Praxis-Berichten auffällt

Eine Beobachtung aus Nutzerforen, die sich 2025 mehrfach wiederholt: Unternehmen, die von Xentral zu JTL wechselten, nannten als Hauptgrund den hohen Konfigurationsaufwand in Xentral. Wer komplexe Prozesse abbilden wollte, musste viel selbst programmieren. JTL wird dagegen als stabiler in der Standardkonfiguration beschrieben – dafür weniger flexibel, wenn etwas wirklich individuell werden soll.

Das ist kein Qualitätsurteil, sondern ein Hinweis auf unterschiedliche Zielgruppen. Xentral richtet sich mit seinem API-first-Ansatz an Teams, die das System aktiv erweitern und integrieren wollen. JTL richtet sich an Händler, die eine solide Out-of-the-box-Lösung mit bekannten Grenzen bevorzugen.

Wer sein ERP-System in einer komplexeren E-Commerce-Infrastruktur betreibt und die Entscheidung nicht auf Basis von Listenpreisen treffen will, sollte sich die Frage stellen: Haben wir das Team, das das System betreibt? Und wie sieht unsere Prozesslandschaft in zwei Jahren aus?

Wenn du diese Fragen mit einem Blick auf deine konkrete Situation beantworten willst, hilft dir ein Beratungsgespräch weiter. Wir kennen beide Systeme aus echten Projekten und können einschätzen, welches Setup zu deinem Wachstumspfad passt – ohne Vendor-Abhängigkeit.

#Xentral #JTL #ERP

Über den Autor

Matthias Hinsche
Matthias Hinsche

Gründer & Geschäftsführer, BuI Hinsche GmbH / Business.Digital

Matthias Hinsche baut seit 2006 E-Commerce-Lösungen. Vom ersten osCommerce-Modul bis zur KI-gestützten Prozessautomatisierung. Shopware Premium Extension Partner, xentral-Partner, und einer der wenigen, die sowohl Core-Entwicklung als auch betriebswirtschaftliche Prozesse wirklich verstehen.

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