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Business.Digital
5 Min. Lesezeit

Warum 3 Agenturen teurer sind als eine

Viele KMU arbeiten mit mehreren Spezialagenturen gleichzeitig – und zahlen dafür mehr als gedacht. Woran das liegt und was die Alternative ist.

Roboter steht vor vielen verschiedenen Bildschirmen und verwaltet Koordinationsaufgaben für KMU-Agenturen

Das Setup klingt vernünftig: eine Agentur für die Website, eine für SEO, eine für Google Ads. Jede macht das, was sie am besten kann. Der Kunde profitiert von spezialisierten Experten in jedem Bereich. So zumindest die Theorie.

In der Praxis zahlen viele Unternehmen für dieses Modell mehr als für eine einzelne gut aufgestellte Agentur. Nicht wegen der Stundensätze – die sind oft ähnlich. Sondern wegen allem, was zwischen den Beauftragungen passiert.

Die versteckten Kosten der Koordination

Wenn drei Agenturen für ein Unternehmen arbeiten, sitzt das Unternehmen in der Mitte. Es hält die Briefings zusammen, leitet Informationen weiter, moderiert Entscheidungen und versucht, die Arbeit dreier unabhängiger Teams auf ein gemeinsames Ziel zu lenken.

Das ist Arbeit. Und diese Arbeit kostet Zeit, die intern geleistet werden muss. Laut einer Studie von Siemens Enterprise Communications verlieren KMU bis zu 40 Prozent ihrer Produktivität durch ineffiziente interne Kommunikation. Mitarbeiter in kleinen und mittleren Unternehmen verbringen durchschnittlich 17,5 Stunden pro Woche damit, Probleme zu lösen, die durch Kommunikationsverzögerungen und Abstimmungsdefizite entstehen. Koordination zwischen externen Dienstleistern kommt obendrauf.

Das Problem verschärft sich, wenn die Agenturen voneinander abhängig sind, aber nicht miteinander reden. Die SEO-Agentur empfiehlt eine bestimmte URL-Struktur. Die Webentwicklungsagentur setzt etwas anderes um, weil sie den Kontext nicht kennt. Die Ads-Agentur bewirbt Landingpages, die noch nicht live sind. Wer dann für den Fehler bezahlt, ist selten klar.

Divergierende Ziele sind das eigentliche Problem

Jede Agentur optimiert auf ihre eigenen KPIs. Die SEO-Agentur will Rankings. Die Ads-Agentur will Klicks und Conversions. Die Webagentur will einen funktionierenden Launch. Alle drei Ziele sind legitim – aber sie müssen aufeinander abgestimmt sein, sonst arbeiten die Agenturen gegeneinander.

Ein konkretes Beispiel: Eine Webagentur baut eine neue Website mit einer geänderten Navigationsstruktur. Der Relaunch kostet Rankings. Die SEO-Agentur hatte keine Möglichkeit, vorher zu überprüfen, ob die Änderungen SEO-konform sind. Die Ads-Agentur bemerkt, dass der Quality Score sinkt, weil die Landingpages neu strukturiert wurden. Jede Agentur hat technisch korrekt gearbeitet. Das Ergebnis ist trotzdem negativ.

Wer das als seltenes Szenario abtut, sollte mal in die Erfahrungsberichte von KMU schauen, die beide Modelle kennen.

Was dieser Abstimmungsaufwand in Stunden kostet

Rechne es durch. Bei drei Agenturen entstehen realistisch pro Monat: ein bis zwei Statusgespräche pro Agentur (drei bis sechs Meetings), Briefings für jede neue Maßnahme, Feedback-Runden für Ergebnisse, Klärungsgespräche bei Fehlern oder Veränderungen.

Wer das ehrlich zählt, landet schnell bei zehn bis fünfzehn Stunden intern pro Monat, die ausschließlich für Agenturkoordination aufgewendet werden. Nicht für strategische Weiterentwicklung, nicht für operative Aufgaben. Nur für Abstimmung.

Bei einem Geschäftsführer, der diese Koordination selbst übernimmt, und einem internen Stundensatz von 80 Euro, entstehen so 800 bis 1.200 Euro monatliche Koordinationskosten, die in keiner Rechnung auftauchen – aber real entstehen.

Wann das Modell trotzdem funktioniert

Mehrere Agenturen gleichzeitig zu beauftragen ist nicht grundsätzlich falsch. Es funktioniert, wenn es intern jemanden gibt, der als Projektmanager zwischen allen Parteien koordiniert und die Gesamtstrategie verantwortet. Das ist in größeren Unternehmen mit dediziertem Marketing- oder Digitalteam oft der Fall.

Für kleine und mittlere Unternehmen ohne diese interne Kapazität ist das Modell dagegen häufig teurer als es aussieht – und riskanter, weil die Fehler oft erst Monate später sichtbar werden.

Die Alternative ist kein Kompromiss

Die Alternative zu drei Agenturen ist nicht die günstigste Agentur, die behauptet, alles zu können, obwohl sie es nicht kann. Das ist das andere Extrem und genauso problematisch.

Die sinnvolle Alternative ist ein Partner, der die relevanten Disziplinen intern wirklich beherrscht und der versteht, wie sie zusammenwirken. Webentwicklung, die SEO-konform gebaut wird. SEO, die die technische Umsetzung kennt. Ads, die auf echte Conversion-Daten zurückgreift.

Das setzt voraus, dass man als Unternehmen genau prüft, was eine Agentur tatsächlich intern leistet – und was sie weitervermittelt. Eine Agentur, die SEO “anbietet”, aber einen Freelancer beauftragt, den du auch direkt hättest buchen können, ist kein Partner. Sie ist ein teurer Mittler.

Die Entscheidung, ob ein Partner das leisten kann, lässt sich in der Regel mit zwei Fragen klären: Wer aus dem Team sitzt bei unserem Onboarding? Und wer antwortet, wenn wir ein dringendes Problem haben?

Wenn du diese Fragen bisher noch nicht gestellt hast – oder die Antworten vage waren, liegt vielleicht genau dort das Problem. Schau dir unsere Erfahrungsberichte an oder buch direkt ein Gespräch, um zu sehen, ob unser Ansatz zu deiner Situation passt.

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Über den Autor

Matthias Hinsche
Matthias Hinsche

Gründer & Geschäftsführer, BuI Hinsche GmbH / Business.Digital

Matthias Hinsche baut seit 2006 E-Commerce-Lösungen. Vom ersten osCommerce-Modul bis zur KI-gestützten Prozessautomatisierung. Shopware Premium Extension Partner, xentral-Partner, und einer der wenigen, die sowohl Core-Entwicklung als auch betriebswirtschaftliche Prozesse wirklich verstehen.

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